Angler in Deutschland

Angeln- hip - trend- noch zeitgemäß?
HIP – TREND – ZEITGEMÄSS?

Es hat sich viel verändert ...

Natürliche Fischbestände werden seit Jahrtausenden fischereilich intensiv genutzt. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts haben sich langsam aber sicher weiterreichende Veränderungen für Angler in Deutschland vollzogen. Immer mehr Naturschutzverbände buhlen um öffentliche Anerkennung, politischen Einfluss und Spendengelder. Sie nehmen auf Grundlage komplizierter Verordnungen und Gesetzgebungen Einfluss auf die Nutzung der aquatischen Lebensräume. Viele Anglerverbände sind ebenso anerkannte Naturschutzverbände. Während diese das Ziel verfolgen, den Schutz und die Nutzung zu vereinen, gelten für andere die Menschen als Störfaktor auf Grundlage einer ideell geprägten Vorstellung einer unberührten Natur. Es sind die letzteren, die die Naturschutzrolle den Angelvereinen langsam aber stetig in der öffentlichen Meinung versuchen streitig zu machen.

Während den Anglern der Schutz und die Pflege der Gewässer schon immer am Herzen lag und liegt, so versuchen Naturschutzverbände unter dem Deckmantel des Naturschutzes Anglern die schonende Nutzung der Gewässer zu verbieten. Dabei sollte man bedenken, dass Jahr für Jahr deutschlandweit von Anglern mehrere hunderttausend ehrenamtliche Arbeitsstunden scheinbar im Verborgenen geleistet werden. So werden unter anderem Gewässer renaturiert, Brutplätze für Fische eingerichtet, Maßnahmen zum Artenschutz ergriffen und Ufer vom Müll bereinigt.

Natura 2000, die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) und Naturschutzverordnungen werden immer öfter zum Anlass genommen, das Angeln in den jeweiligen Gewässern zu verbieten. Dass diese Gebiete über viele Jahre mit der Nutzung durch Angler erst entstanden sind, scheint für die Verantwortlichen keine Rolle zu spielen. So genannte "Erwartungsgebiete" für Tierarten werden definiert und die Menschen in Erwartung dieser Tierarten ausgesperrt.

Natur wird von Umweltschutztechnikern/-innen quasi am Reißbrett entworfen. Dabei wird ohne eine ausreichende Datenlage angenommen, dass Anglerinnen und Angler am Gewässer stören oder Wildtiere verdrängen. Wenn man aber genau hinschaut, gibt es in beangelten Gewässern mindestens eine vergleichbare oder sogar eine höhere Artenvielfalt, wie kürzlich an Fischen nachgewiesen (Matern et al., Emmrich et al. 2014 Limnologica). Dass Angeln den Schutzzielen von Schutzgebieten nicht entgegensteht, verdeutlicht ein Beispiel aus 2018. In einer aktuellen Vereinbarung zur Befischung der Fließgewässer in einem Naturschutzgebiet (NSG) in Niedersachsen wird die fischereiliche Nutzung ausdrücklich als Betreuungsmaßnahme, die dem Schutz, der Pflege und der Entwicklung des Naturschutzgebietes dient, gewürdigt.

Wandel des Zeitgeistes – Urbanisierung und Veganismus

Im Jahr 2017 lebten rund 77,3 Prozent der Gesamtbevölkerung Deutschlands in Städten.[1] Mit einer fortschreitenden Urbanisierung scheint vielen Menschen die direkte Erfahrung mit der Natur im Allgemeinen und den heimischen Fischarten insbesondere, verloren gegangen zu sein. In einer aktuellen Studie hat das Gros der Befragten[2] in Deutschland zwar schon einmal von Stör oder Lachs gehört, aber nur 5 Prozent wussten, dass es sich um beim Lachs einheimische Art handelt.[3] Glaubt man dem Satz "Der Mensch schützt nur das, was er kennt – und bestenfalls liebt", so lässt das nichts Gutes erwarten.

Nach einem Bericht des Robert-Koch-Instituts verzichtet in der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen fast jede zehnte Frau (9,2 Prozent) auf Fleisch, bei den Männern in der Altersgruppe ist es immerhin jeder 20. (5 Prozent). Das ist für sich genommen erst einmal nicht negativ.

Urbanisierung und Veganismus sind leider immer öfter mit Wertvorstellungen und moralischen Ansprüchen verbunden. Mit dem eigenen Verzicht auf Fleisch nehmen bei vielen auch die Vorbehalte gegen Anglerinnen und Angler zu. Selbsternannte Tierrechtsorganisationen brandmarken Angler als "Hobby-Mörder". Es ist der Versuch, Anglerinnen und Angler in der breiten Öffentlichkeit zu denunzieren, und es richtet sich vornehmlich an Menschen, die sonst nichts mit dem Angeln zu tun haben. So sind mittlerweile weniger als die Hälfte der Deutschen der Meinung, dass das Angeln ein sinnvolles Hobby ist (Riepe & Arlinghaus 2014).

Angeln ist keine Männersache - immer mehr Frauen in Deutschland gehen angeln!
Angeln ist keine Männersache – immer mehr Frauen in Deutschland gehen angeln und suchen Erholung am Gewässer.

Werte des Angelns einer breiten Öffentlichkeit vermitteln

Mit dem Motto "Angeln in der Mitte der Gesellschaft" möchten die Angelverbände eine möglichst breite gesellschaftliche Akzeptanz für das Angeln in Deutschland erreichen bzw. aufrechterhalten. Es geht um Werte wie Lebensqualität, Abenteuer, Erholung, Artenschutz, Verbindung von Generationen, ökologische Bildung oder Bewegung an der frischen Luft. Aber auch grundsätzliche Themen wie Nahrungsmittel, Ehrenamt, soziale Integration und Naturnutzung und -verbundenheit. Wir möchten zeigen: Angeln in Deutschland ist zeitgemäß, nachhaltig und gesellschaftlich bedeutsam. 6,24 Millionen Deutsche gehen mindestens einmal pro Jahr Angeln[4], das sind mehr als 7 Prozent der Gesamtbevölkerung. In Sachsen sind über 40.000 Angler im Verband der sächsischen Angler (LVSA) organisiert.

Im Jahr 2016 wurde das Fischereirecht auf einer Wasserfläche von etwa 267.000 Hektar durch Angelvereine oder Angelverbände in eigener Verantwortung bewirtschaftet. Das entspricht in etwa der Fläche des Saarlandes.

Angler spielen bei Erhalt und Management der Fischbestände in Deutschland eine meist unterschätzte, jedoch zentrale Rolle (Arlinghaus 2006a). Sie sind über ihre Vereine und Verbände nicht nur zur Nutzung von Süßwasserfischen berechtigt, sondern als Eigentümer oder Pächter von Fischereirechten auch zu deren Hege und Pflege gesetzlich verpflichtet. Mit viel Einsatz innerhalb der Angelvereine und -verbände wird diese Hege und Pflege unserer heimischen Gewässer weitgehend im Ehrenamt erbracht. Würden sich die Angler nicht ehrenamtlich um die Gewässer in Deutschland kümmern, so müsste die öffentliche Hand (so wie z. B. in Amerika) nicht unerhebliche Steuergelder dafür aufwenden.

Nahrungsmittel Fisch

Angeln ist eine schonende Form der Naturnutzung und eines der letzten unverfälschten Naturerlebnisse. Daneben bietet es die Möglichkeit, Fische für den Eigenbedarf zu fangen. Der Beitrag des Angelns zum Eigenfang von Fischen (marine und binnen zusammen) gehört in Deutschland mit fast 30 Prozent zu den größten der Welt (Paper Cooke et al. 2018 in Fish and Fisheries). Ein selbstgefangener Fisch erfüllt dabei alle Kriterien an den modernen Zeitgeist: Er ist frisch, regional, nachhaltig erzeugt, klimaschonend und wächst artgerecht auf. In Bezug auf negative Umweltauswirkungen (Energieverbrauch, CO2-Emissionen, Überdüngungs- und Versauerungspotential) weist ein selbstgefangener Fisch mitunter eine bessere Bilanz auf, als der Anbau von Gemüse.[5]

Angeln gilt dabei als die schonendste Methode, Fische zu fangen, da durch die richtige Auswahl von Angelstelle, Angelmethode und Köder im höchsten Maße selektiv gefischt werden kann. Die Gefahr einer Überfischung ist gering. Seltene Fische gehen auch selten an die Angel. Dazu achten Angler mit Schonbestimmungen wie Schonzeiten und Mindestmaße auf den Erhalt der Bestände und die biologische Vielfalt in unseren Gewässern.

Dabei fangen immer mehr Deutsche ihre Fische selbst. Der Fang von Fischen in Seen und Flüssen wurde im Jahr 2016 auf etwa 20.800 Tonnen geschätzt. Den weitaus größten Anteil daran besitzt mit 18.200 Tonnen die Angelfischerei. Die erwerbsmäßige Fischerei landete nur etwa 2.619 Tonnen und damit deutlich weniger Fisch als in zurückliegenden Jahren an. Angeln nimmt bei der Verwertung von wildem Fisch einen immer größeren Stellenwert ein. Auch wenn sich heute keiner mehr vom Angeln ernähren muss, so ist es eine nachhaltige und klimafreundliche Form der Nahrungsmittelgewinnung. Für jeden selbstgeangelten Fisch aus heimischen Gewässern muss kein Fisch aus Übersee importiert oder aus Aquakultur erzeugt werden.

Dazu setzen sich die Anglerverbände für die Verwertung auch weniger bekannter Fischarten ein.

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"Generation Smartphone" will die Natur entdecken

Wie steht es um das Thema Angeln für Kinder?

"Die Natur ist uninteressant, Jagd und Fischerei sind nicht mehr zeitgemäß" – so stellen sich viele die Ansichten der "Generation Smartphone" vor. Weit gefehlt! Die Studie "Fokus Naturbildung"[1] zeichnet ein ganz anderes Bild: Für die meisten Jugendlichen im Alter von 12 bis 15 Jahren gehört ein aktives Naturerlebnis zu einem guten Leben dazu. Jugendliche stimmen einer schonenden Nutzung der Natur zu. Die Studie besagt jedoch, dass sie kaum Vorstellungen haben, wie diese aussehen kann. Die Einbindung in die Aktivitäten von Angelvereinen und Schulprojekten können diese Lücke füllen und zum Beispiel gut in die Nachmittagsangebote der Schulen integriert werden.

Die Verbände fordern flexible Regelungen zur Fischereiausübung durch Kinder und Jugendliche. Dabei setzen wir uns für die Durchführung von Schulprojekten und außerschulischen Angeboten für Kinder rund um das Thema Angeln ein. Es geht um Umweltbildung, aber auch darum, das Angeln als eine Form der direkten Naturnutzung unter fachkundiger Anleitung im frühen Kindesalter zu erlernen.

Die Zuwendung zu bestimmten Hobbies findet heute im frühen Kindesalter statt. Es gibt Ballettkurse ab 3 Jahren, Fußball- oder Hockeytraining können Kinder schon ab 4 oder einen Kletterkurs ab 6 Jahren belegen.
Organisierte Freizeitangebote nehmen im Alter von 5 bis 6 Jahren bereits 50 Prozent der Kinder wahr; diese Einbindung steigt bis zum Alter von 9 bis 11 Jahren auf über 70 Prozent.[3]

"In Zeiten, in denen Kühe lila und Fische eckig sind, haben Kinder und Jugendliche über das Angeln die Möglichkeit, realistische Vorstellungen über die Gewinnung von Nahrungsmitteln und deren Lebensraum zu erlangen." (A. Seggelke, Geschäftsführer des DAFV)

Ergebnisse der Forschung deuten darauf hin, dass eine positive Naturerfahrung, vor allem aus früher Kindheit, ein wesentlicher Antrieb zum Natur‐ und Landschaftserhalt im Verlauf des Lebens wird. Hürden durch den Gesetzgeber in Form eines pauschal verordneten Mindestalters schließt Kinder von sinnvollen Angeboten aus. Dabei ist es nach Ansicht des DAFV von Vorteil, wenn die Kinder möglichst früh mit der Natur vertraut werden. Angelehnt an das Zitat von Goethe "Man sieht nur, was man weiß" gilt im Natur- und Umweltschutz: Man achtet und schützt nur, was man kennt und versteht.

Dass vielen Kindern heute trotzdem der Kontakt zu der Natur verwehrt bleibt, zeigt eine Studie der Deutschen Wildtier Stiftung. Eltern wurden gefragt, wie viel Zeit ihre Kinder noch in der Natur verbringen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Knapp die Hälfte aller Kinder zwischen vier und zwölf Jahren sei noch nie selbstständig auf einen Baum geklettert. 22 Prozent der befragten Eltern gaben an, dass ihre Kinder "nie oder fast nie" einem freilebenden Tier begegnen. Für Kinder, die Angeln – kaum vorstellbar!

 

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Angeln verbindet Generationen und mehr …

Trotz Rollstuhl, geistiger Beeinträchtigung, Krankheit oder einfach nur dem Alter: Alte oder beeinträchtigte Menschen schätzen die Gemeinschaft und das Erlebnis in der freien Natur. Damit ist Angeln für viele Menschen ein nicht zu unterschätzendes Stück Lebensqualität.

In vielen Angelvereinen liegen zwischen dem ältesten und jüngsten Mitglied nicht selten 80 Jahre und mehr. Am Wasser finden Großeltern und Enkel eine gemeinsame Ebene fernab der technisierten Welt, die ältere Menschen und deren Lebenserfahrung oft ins Abseits stellt. Dabei schafft Angeln etwas, was heute nur noch selten gelingt: Es bildet eine Klammer zwischen Generationen und kann von frühester Kindheit bis in das hohe Alter ausgeübt werden.

Tradition und soziale Heimat

In England gibt es mittlerweile ein "Ministerium für Einsamkeit" und auch in anderen europäischen Ländern wird darüber nachgedacht. "Einsamkeit ist die traurige Realität des modernen Lebens", sagte Premierministerin Theresa May. Eine weitere Entfernung der Gesellschaft von traditionell gewachsenen Strukturen, hin zur modernen Leistungsgesellschaft leistet dieser Entwicklung immer mehr Vorschub.

Dabei bieten in Deutschland tausende Angelvereine mit etwa 850.000 Mitgliedern aus allen Bereichen der Gesellschaft eine soziale Heimat. Angeln ist eine Passion, welche von vielen Menschen aller Altersgruppen und sozialen Schichten geteilt wird. Die traditionellen Angelvereine bieten insbesondere in ländlichen Gebieten vielen Menschen einen gesellschaftlichen Anschluss und Integration. Ganz nebenbei erbringen sie dabei unschätzbare Dienste für die Gesellschaft im Rahmen ehrenamtlicher Betätigungsfelder. Die Organisation von Fischerfesten, Angelveranstaltungen oder Jugendcamps bieten sinnvolle Freizeit- und gesellschaftliche Begegnungsangebote – vom Banker bis zum Schulabbrecher.

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Wer sind all diese Angler?

"Angler sind Menschen von mildem, friedfertigem Wesen", schrieb der Naturphilosoph Izaak Walton im 17. Jahrhundert in seinem Buch "Der vollkommene Angler oder eines nachdenklichen Mannes Erholung". Die Ausführungen von Izaak Walton sind nur insofern überholt, als dass es heutzutage genauso Frauen wie Männer sind, die am Wasser Erholung suchen.

Anglerinnen und Angler verbringen viel Zeit damit, einen Stock mit einer Schnur ins Wasser zu halten. Beschaulichkeit und Ruhe umgeben sie an Seen, Bächen und Flüssen – genauso wie die Mücken.

Dabei hat sich Angeln heutzutage in weite Bereiche verschiedener Techniken und Methoden verzweigt. So gibt es Spezialisierungen auf den jeweiligen Zielfisch, wie beispielsweise Karpfen, Zander, Hecht, Lachs, oder eine bestimmte Fischartengruppe wie Friedfisch, Raubfisch oder Salmoniden. Es gibt Meeres- und Süßwasserangler, vom Boot oder vom Ufer bzw. Strand Angelnde, als auch die spezialisierte Anwendung einer bestimmten Angelmethode wie Stipp-, Spinn-, Fliegen- oder Schleppfischen. Die Liste würde sich fast beliebig fortführen und untereinander kombinieren lassen.

Die Beweggründe, mit einer Angel ans Wasser zugehen, sind dabei genauso vielfaltig, wie die Menschen, die dieser Passion nachgehen. Während manche einfach die Zeit in der Natur genießen und der Fang eher eine untergeordnete Rolle spielt, ist es für andere wiederum wesentlich, wie viele oder wie große Fische sie fangen. Dazu gibt es noch die Angler, für die es darauf ankommt, einen Fisch auf eine ganz besondere Art und Weise zu fangen.

Man sollte nicht vergessen, dass Angeln immer eine freiwillige Selbstbeschränkung zum Fang von Fischen mit dem Gedanken der Nachhaltigkeit war und ist. Es wäre für uns Menschen kein Problem, alle Fische in kürzester Zeit aus einem Gewässer zu entnehmen. Insofern sind die erlaubten Methoden und die damit verbundenen selbstauferlegten Beschränkungen untrennbar mit der Freizeitfischerei verbunden.

Auch die maximale Menge der Fische, welche pro Tag, Monat oder Jahr aus einem Gewässer entnommen werden dürfen, hat sich im Bereich der Freizeitfischerei immer an dem Prinzip "Eigenbedarf" und der Produktivität der jeweiligen Gewässer orientiert. Der Streit um gerechte bzw. sinnvolle Regelungen in diesem Zusammenhang ist genauso alt, wie das Angeln selbst.

Unbestritten und schon vor langer Zeit haben Angler und auch Fischer erkannt, dass Fisch eine begrenzte Ressource darstellt, mit der man verantwortungsbewusst umgehen muss, um sie in dem jeweiligen Gewässer langfristig zu erhalten und dauerhaft zu nutzen.

Bregenzer Übereinkunft

Die ersten Fischereiordnungen stammen aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Schon damals wurden Schonzeiten und Schonmaße für einzelne Fischarten festgesetzt. So ist die "Bregenzer Übereinkunft" am Bodensee von 1893 der älteste bekannte internationale Fischerei-Vertrag, der heute noch gültig ist. Grundlage war die Erkenntnis, dass ohne geeignete Maßnahmen zur Selbstbeschränkung die Fischbestände langfristig zurückgehen. So beginnt die Einleitung zur Konstanzer Fischereiordnung von 1790 folgendermaßen:  

"Man hat seit vielen Jahren die bedauerliche Erfahrung, dass die in ihrer Natur nach sonst sehr ergiebige Fischerei auf dem Bodensee so weit heruntergesunken ist, dass diejenigen, die sich damit abgeben, sich kaum kümmerlich nähren und vor Armut schützen können."

Einleitung zur Konstanzer Fischereiordnung von 1790

Eine tiefergehende wissenschaftliche Betrachtung würde den Rahmen dieses Artikels sprengen und bleibt der Fachliteratur vorbehalten.

Angler fahren in Regionen, die von normalen Touristen weniger frequentiert werden...
Angler fahren in Regionen, die von normalen Touristen weniger frequentiert werden. Dazu kommen sie zu Zeiten außerhalb der klassischen Urlaubssaison.

Angeln als Wirtschaftsfaktor

In Zeiten, in denen führende Discounterketten alljährlich in Blister verpackte Angelsets für kleines Geld im Angebot führen, könnte man denken, dass Angeln keine oder nur eine untergeordnete wirtschaftliche Bedeutung in Deutschland spielt. Bei genauerer Betrachtung zeichnet sich aber ein ganz anderes Bild ab.

Der volkswirtschaftliche Umsatz der Angelfischerei beträgt in Deutschland etwa 5,2 Milliarden Euro pro Jahr.[6]

Allein für die Meeresangelei in den Gewässern der EU wird der volkswirtschaftliche Umsatz durch die Freizeitfischerei auf 10,2 Milliarden Euro und 100.000 damit verbundene Arbeitsplätze geschätzt.[7] Die Studie von Hyder kommt zu dem Ergebnis, dass die Freizeitfischerei für die EU ökonomisch bedeutend ist und empfiehlt, dass der Bereich zusammen mit der Berufsfischerei und Aquakultur im Rahmen der gemeinsamen Fischereipolitik gefördert werden sollte.

Gerade im Bereich des Tourismus nimmt das Angeln für viele traditionell strukturschwache Regionen eine herausragende Stellung ein. Angler fahren in Regionen, die von normalen Touristen weniger frequentiert werden, dazu kommen sie zu Zeiten außerhalb der klassischen Urlaubssaison. Nur wenige Menschen verbringen zum Beispiel im Spätherbst oder Winter zwei Wochen an der Ostseeküste. Für Angler ist es mitunter die beste Zeit. Dabei nehmen sie vielfältige lokale Dienstleistungsangebote in Anspruch. Hotels, Ferienwohnungen, Hafenliegeplätze, Restaurantbesuche, Angelausrüstung, Köder oder geführte Ausfahrten auf Guidingbooten oder Kuttern sind nur einige der vielfältig nachgefragten Dienstleistungen. Nicht selten bringen sie die Familie mit oder fahren als Gruppe unter Gleichgesinnten los. Selbst der Erwerb einer Ferienimmobilie in der Nähe vielversprechender Angelreviere ist unter Anglern zunehmend verbreitet. Die alte Weisheit aus der Immobilienbranche "Lage, Lage, Lage" wird in diesem Zusammenhang ihrem Ruf auf ungeahnte Weise gerecht.

Viele gute Gründe

Es gibt viele gute Gründe, warum Angeln für Deutschland zeitgemäß, nachhaltig und gesellschaftlich sowie volkswirtschaftlich bedeutsam ist. Angeln ist einerseits die schonendste Methode Fische zu fangen und andererseits ist es für einen großen Teil der Bevölkerung eine bedeutende Freizeitaktivität. Viele Länder haben das schon lange erkannt und fördern den Tourismus von Anglern, als sogenannte "high value – low impact"-Aktivität. Der DAFV und die Angelverbände arbeiten daran, zusammen mit allen Anglern, den Vereinen und Verbänden mit geeigneten Kampagnen und einer verstärkten Öffentlichkeitsarbeit diese "guten Gründe" der breiten Öffentlichkeit besser zu vermitteln. Den öffentlichen Anfeindungen selbsternannter Tierrechtsorganisationen aus zweifelhaften ethischen oder moralischen Gründen treten wir entschieden entgegen. Genauso wie der Verbotspolitik auf Grundlage eines ideologischen Naturschutzgedankens. Wer sich berufen fühlt, die Menschen vor der Natur auszusperren und eine nachhaltige Nutzung durch Angler mit einer Tradition – fast so alt wie die Menschheit selbst – schleichend zu verbieten, wird auf unseren entschiedenen Widerstand stoßen.

Angeln war und ist ein Teil von Deutschland, nicht umsonst gehen über 7 Prozent der Bevölkerung dieser faszinierenden Passion nach. Wir ermutigen die Politik und Verwaltungen, den Wert des Angelns für die Menschen in Deutschland, die Hege und Pflege unserer Kulturlandschaft und den Erhalt der Fischbestände zu erkennen und entsprechende Rahmenbedingungen für die Zukunft zu schaffen.

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Quellen & Bildnachweise:

[1] IfD Allensbach Statista 2018 "n Städten lebende Bevölkerung in Deutschland und weltweit bis 2030"

[2] Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, IfishMan

[3] Kochalski, S., Riepe, C., Fujitani, M., Aas, Ø. and Arlinghaus, R. (2018) Public perception of river fish biodiversity in four European countries. 2019 in Cons. Biol.

[4] IfD Allensbach Statista 2018 "Anzahl der Personen in Deutschland, die in der Freizeit Angeln oder Fischen, nach Häufigkeit von 2014 bis 2018 (in Millionen)"

[5] Hilborn R, Banobi J, Hall SJ, Pucylowski T, Walsworth TE (2018) The environmental cost of animal source food. Frontiers in Ecology and the Environment 16/6: 329-335

[6] Arlinghaus 2004

[7] Hyder, K, Radford, Z, Prellezo, R, Weltersbach, MS, Lewin, WC, Zarauz, L, Ferter, K, Ruiz, J, Townhill, B, Mugerza, E, & Strehlow, HV, 2017, Research for PECH Committee - Marine recreational and semi-subsistence fishing – its value and its impact on fish stocks, European Parliament, Policy Department for Structural and Cohesion Policies, Brussels

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